Streitschlichtung

Meinungsverschiedenheiten, Rangeleien, verbale und körperliche Gewalt oder Beschädigungen an Gegenständen kommen im Schulalltag nur zu häufig vor, als dass sich die LehrerInnen neben dem Unterricht damit so beschäftigen können, dass es zu einer von allen Seiten akzeptierten Lösung kommen kann.

An dieser Stelle hilft die Streitschlichtung durch Schülerinnen und Schüler der Klassen 9 und 10. Diese StreitschlichterInnen wurden ein halbes Jahr lang durch Frau Stausberg auf ihre kommende Arbeit in Beobachtungs- und Rollenspielen vorbereitet. Eine Streitschlichtung geht dabei nach einem ganz bestimmten Muster einher, was immer wieder eingeübt wurde. Eine Schlichtung ist nur dann erfolgreich, wenn beide Parteien freiwillig an dem Verfahren teilnehmen wollen. Damit ist der Grundstein gelegt, dass auch beide Kontrahenten beabsichtigen ihren Konflikt wirklich zu beseitigen.

Die Streitschlichter erklären zunächst in einer Einleitung, dass sie zu einer Art Schweigepflicht gegenüber anderen Schülern, aber auch den Lehrern verpflichtet sind. Ebenso ist es eine Selbstverständlichkeit, dass die Schlichter stets neutral den beiden Kontrahenten gegenüber auftreten müssen. Des Weiteren werden Gesprächsregeln vereinbart, an die sich die Streitenden halten müssen. Der weitere Ablauf beginnt mit den Berichten des Vorfalls aus der Sicht jeden einzelnen Schülers.

Das Foto zeigt die Schlichterinnen- und Schlichter im Schuljahr 2008/09.

Das Foto zeigt die Schlichterinnen- und Schlichter im Schuljahr 2008/09.

Nach der Darstellung des Geschehenen sind viele Emotionen im Spiel. In den meisten Fällen erleben die Streitschlichter einen, der sich richtig schlecht fühlt und einen, der als Sieger aus dem Konflikt hervorgegangen ist. Damit diese Situation nicht zu einem Gewinner – Verlierer Ausgang führt, müssen sich die beiden Streitenden die Geschichte aus der Sicht des jeweils anderen nacherzählen und ebenfalls ihre Gefühlslage beschreiben, wenn sie der andere gewesen wären. Hier kommen erfahrungsgemäß zum ersten Mal Ideen, wie der Konflikt hätte vermieden werden können. Diese ersten Ideen werden sofort festhalten:

  1. Was bin ich bereit zu tun, damit der Konflikt gelöst wird und nicht wieder vorkommt?
  2. Was möchte ich vom anderen, damit der Konflikt beseitigt wird?

Am Ende dieser Phase lesen beide Kontrahenten ihre aufgeschriebenen Lösungsvorschläge vor und versuchen zusammen mit den Streitschlichtern Gemeinsamkeiten zu finden. Dies wird in einer Art Vertrag festgehalten, der von beiden Konfliktparteien und den jeweiligen Streitschlichtern unterschrieben wird. Zum Schluss vereinbart man ein Folgetreffen (ca. 2 Wochen später), um die Einhaltung der Vertragsgegenstände zu überprüfen. Die meisten SchülerInnen, die an einer Streitschlichtung teilgenommen haben, berichten positiv davon, besonders deshalb, weil keine Strafen verhängt werden und die LehrerInnen von dem Konflikt nichts erfahren.


Aktualisiert am 16. Januar 2009 von Ansgar Schneider